Low Poly – Die Kunst der Dreiecke verstehen & nutzen

 

Vor nicht allzu langer Zeit eröffnete sich uns mit 3D-Programmen eine völlig neue Welt. Plötzlich wurde es möglich, auch im digitalen Bereich, Objekte im Handumdrehen von allen Seiten zu betrachten und zu bearbeiten.

 

Möglich machten das sogenannte »Low Poly Meshes«. Hier eine kurze Erklärung: 3D Modelle bestehen aus Netzen von Polygonen. Polygone treten oft in Form von Dreiecken auf. Das heißt, ein Netz aus Dreiecken spannt ein Modell auf.

Ein polygonales Netz bzw. »mesh« kann wiederum entweder einfach (geringe Anzahl von Dreiecken), oder aber sehr detailliert (hohe Anzahl von Dreiecken) aufgebaut sein. Ein »Low Poly Mesh« besitzt, wie der Name es bereits sagt, eher wenige Dreiecke und damit wenig Details. Das Gegenteil, ein Netz mit entsprechend vielen Polygonen, wird hingegen »High Poly Mesh« genannt und kommt zum Beispiel bei Spielfilmen mit VFX vor, die hoch realistische Darstellungen benötigen. So viel zur Theorie. Aber wo kommt das Ganze denn nun zum Einsatz?

 
 

Der Nutzen von Low Poly Meshes

Vor allem bei einer Sache werden Low Poly Meshes nach wie vor häufig genutzt: in Computerspielen. Der Grund dafür ist recht simpel. Um ein flüssiges Spielerlebnis zu garantieren, dürfen Grafiken in Spielen oft nicht zu viel Speicherplatz verbrauchen. High Poly Meshes sind sehr detailliert und würden unnötigen Speicher fressen. Deshalb werden oft Low Poly Meshes verwendet. Ein tolles Spielbeispiel dafür ist »Mirror Moon EP«, in der der Spieler das Weltall erkunden und überleben muss – ganz im Stil der reduzierten Optik.

Da die wenigen Polygone aber nur begrenzt Details wiedergeben können und dieser Stil für realistischere Spiele nicht geeignet ist, haben pfiffige Spieldesigner Techniken entwickelt, die diese Grenzen umgehen. So werden sogenannte »Normal Maps« oder »Bump Maps« über die Low Poly Meshes gelegt, um Details zu simulieren, die das polygonale Netz an sich nicht bietet.

 

Motiv von Felix Brönnimann

 

Low Poly – Von 3D in 2D

Mit dem zunehmenden Fortschritt der Technik wurden die Modelle mit geringer Polygonanzahl immer weniger notwendig. Allerdings hat sich deren Stil ab 2013 verselbstständigt. Immer mehr Künstler und Designer fanden Gefallen an der klaren, reduzierten Optik, wodurch sich Low Poly von einer Notwendigkeit hin zu einem künstlerischen Stil entwickelte: Low Poly.

Plötzlich war es »in« durch die geringe Polygonanzahl den Fokus stärker auf ästhetische Elemente wie Form, Licht und Textur zu setzen. So dauerte es auch nicht lange, bis auch 2D Künstler den Look für sich übernahmen. Mit klaren Linien und Dreiecken wird dabei meist versucht, ein Bild nachzuzeichnen – ganz in der gewohnten 3D-Optik: technisch, aber auch trendy. Vor allem Grafikdesigner nutzen heute diesen Stil für Projekte, die sich entsprechend an Jugendliche oder Technikbegeisterte wenden.

 

Dein eigenes Projekt mit Low Poly

Wenn auch du diesen Stil einmal ausprobieren möchtest, dann findest du in diesem Video ein Tutorial: Erstelle einen Hirsch geometrisch oder einen Löwe geometrisch.

Viel Spaß beim Abtauchen in die Welt der Polygone!